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Warum „Batman v Superman: Dawn of Justice“ einfach scheiße ist

Excuse my French in der Überschrift, aber ich kann es schlicht nicht netter sagen. „Batman v Superman: Dawn of Justice“ ist der letzte Nagel in dem Sarg, den ich Superheldenfilme nenne. Comicverfilmung werden so oberflächlich und austauschbar, dass ich sogar langsam George Clooney und Joel Schumacher vermisse. 


Ein Film ohne Handlung und Zusammenhänge? Das geht! 

Allen vorweg: Ich bin Medienwissenschaftler mit Konzentration auf Filme und Comics, also habe ich auf beide Medien wohl einen anderen Blick wie ein herkömmlicher Kinozuschauer. Aber ich bin auch ein Film- und Comicnerd, also kann ich mich auch in die Position von Liebhabern hineinversetzen und als Anhänger beider Parteien muss ich leider sagen: „Batman v Superman“ – schlechteste Comicverfilmung aller Zeiten!

Fangen wir mit der Handlung an (Achtung, Spoiler-Alarm): Es gibt praktisch keine. In dem Film werden nur Filmschnippsel aneinander gereiht, die absolut keinen Zusammenhang haben. Selten habe ich einen Film mit so vielen Schwarzblenden gesehen. Eigentlich muss man nur den Trailer gesehen haben, um die Story zusammenfassen zu können: Die Einwohner von Metropolis sind stinkig auf Superman, weil er so viele Menschen getötet hat und auch Batman ist deswegen sauer (obwohl er jetzt selbst Menschen töten lässt, hä?). Also bekämpfen sich Batman und Superman ein bisschen (der Titel des Films muss ja schließlich gerechtfertigt werden) bis – OMG – die beiden während eines Kampfs erkennen, dass ihre Mütter dieselben Vornamen haben. „Deine Mutter heißt auch Martha?“ – „Ja! Deine auch?“ – „Ja! Cool, lass uns jetzt Freunde sein!“ – „Ja, klar, völlig logisch“. Batman und Superman sind nun also plötzlich Freunde und kämpfen daraufhin zusammen mit Wonderwoman gegen Doomsday und anschließend gegen Lex Luthor, *gähn*.

Für mich kam in dem Film absolut nichts überraschend, sondern die Handlung war komplett vorhersehbar. Aber ich schätze, man kann keine spannende und schlüssige Handlung erwarten, wenn man sich mit einem Film nur auf die nachfolgenden Justice League-Fortsetzungen vorbereiten will. Denn Superheldenfilme sind heutzutage keine eigenständigen Filme mit in sich geschlossenen Handlungen mehr, sondern bereiten immer nur auf den nächsten Teil der Saga vor. Jeder Film ist eine Vorlage für den nächsten Film, der eine Vorlage für den nächsten Film ist, der eine Vorlage für den nächsten Film ist usw. … Das sieht man vor allem an den ganzen Marvel-Teilen, bei denen Filme wie „Iron Man 2“ nur eine Überleitung für „The Avengers“ sind. Und anscheinend wird es bei DC genauso sein, wenn nicht sogar schlimmer. Denn obwohl ich die ganzen Marvel-Verfilmungen oberflächlich finde, da sie keine Tiefe haben und nur unterhalten wollen, sind sie wenigstens ein bisschen lustig. „Batman v Superman“ dagegen ist weder tiefgründig noch unterhaltsam.

Coole Comicbuchreferenzen? Mir doch egal 

Es ist offensichtlich, dass sich Zack Snyder bei seinem Film unter anderem auf die Batman-Comics von Frank Miller bezieht. In diesen gibt es einen älteren Batman, der schon müde ist und an einem Punkt angelangt ist, wo er das Töten von Menschen zulassen würde. In dem Film wird es aber in keinster Weise erklärt, wie Batman zu diesem tiefen Punkt gekommen ist. Man sieht zwar in einer Szene ein Batman-Kostüm, das offensichtlich vom Joker beschmiert wurde und auf den Tod eines Bruce Wayne nahe stehendem Menschen hindeuten könnte, aber das reicht nicht. Batman zeichnet sich gerade dadurch aus, dass er nicht tötet und wenn man das ändert, muss man rechtfertigen, warum. Man könnte zwar annehmen, dass die Erklärung in dem zukünftigen Batman-Film mit Ben Affleck nachgeholt wird, aber dann wären wir wieder bei meinem Punkt angelangt, dass es keine für sich alleine stehende Handlungen in Superheldenfilmen mehr gibt.

Mir als Comicfan ist es ehrlich gesagt auch ziemlich egal, ob ein Film Comicbuchreferenzen hat oder nicht, denn Filme und Comics sind für mich zwei unterschiedliche Medien. Wenn es Referenzen gibt, gut! Aber dann müssen sie bitte in der Handlung gerechtfertigt sein und nicht wie bei „Batman v Superman“ einfach hingeklascht werden, damit manche, sich leicht beeindruckend lassende, Comicfans sagen können: „Cool, diese Szene kenne ich aus einem der Comics!“. Ben Affleck sagt zwar in dem oben geposteten Video, dass der Film „zu hoch für ihn war“, allerdings kauf ich das keinem Comickenner ab. Nur Referenzen hinzuschmeißen macht einen Film weder klug noch originell, sondern das kann nur eine gute Story, Regiearbeit und der Schnitt.

Vor allem wenn man den Film mit den Batman-Filmen von Christopher Nolan vergleicht, sieht man die Qualitätsunterschiede. Ich will damit nicht sagen, dass ein Batman-Film zwangsweise düster sein muss, um gut zu sein, aber die Handlung muss in sich schlüssig sein. Christopher Nolan hat bis ins Detail durchdachte und intelligente Filme geschrieben und gefilmt. Es gibt Spannung, unvorhersehbare Momente, tiefgründige Charaktere und vor allem nehmen sich die Filme Zeit. Die Vorgeschichte von Batman wurde in „Batman Begins“ in einem ganzen Film erzählt und nicht an den Anfang hingerotzt wie bei „Batman v Superman“. Es braucht nicht unbedingt eine Vorgeschichte, wenn man die Charaktere schon kennt, aber wenn man eine macht, dann bitte richtig.

Der Tod von Superheldenfilmen 

Aber die heutigen Superheldenfilme können sich gar keine Zeit nehmen, um eine Geschichte richtig zu erzählen, da es einfach viel zu viele Charaktere gibt. In einem zweistündigen Film kann man nicht auf fünf Superhelden wie bei „The Avengers“ oder der „Justice League“ eingehen, das ist schlicht unmöglich. Deswegen sehe ich solche Anhäufungen von Figuren generell kritisch.

Doch die Ursache für all die Probleme, die ich angesprochen habe (keine zusammenhängende Handlung, unschlüssige Referenzen) liegt schlicht bei den Machern der Filme. Was will man von einem Regisseur erwarten, der uns so bahnbrechende Filme wie „Sucker Punch“ oder die Slow-Motion-Endlosschleife „300“ gebracht hat (/ironie off)? Zack Snyder kann meiner Meinung nach einfach nicht Regie führen. Während es bei „Watchmen“ wenigstens noch einen zusammenhängenden Fluss gab, wirken die Szenen bei „Batman v Superman“ nur zerstückelt aneinander gereiht. Aber was mir vor allem bei seinen Filmen fehlt, sind Emotionen oder ein tieferer Sinn. Filme müssen einen schließlich mitreißen. „The Dark Knight“ habe ich 40 mal gesehen (dann habe ich aufgehört zu zählen), aber ich glaube nicht, dass ich mir einen der heutigen Superheldenfilme ein zweites Mal anschauen würde, weil sie schlicht zu trivial sind.

Die Studios in Hollywood wollen das momentane Interesse an Superheldenfilmen einfach ausschlachten und produzieren möglichst schnell den nächsten Film. Durch diese Eile wird es immer mehr an der Qualität der Filme mangeln. Ein gutes Drehbuch zu schreiben braucht schlicht einfach Zeit und Herzblut, was diese Produzenten nicht haben. Manchmal wundert es mich schon, wie Filmstudios so viel Geld haben können, aber damit keine ordentliche Comicverfilmung fabrizieren können.
Ehrlich gesagt, habe ich inzwischen keine Lust mehr, meine Zeit und mein Geld an diese Filme zu verschwenden. Wenn sich die Studios keine Zeit nehmen, warum sollte ich das tun? Aber hauptsächlich sind mir die Filme einfach zu austauschbar und oberflächlich geworden. Da schaue ich mir lieber ältere Comicbuchverfilmungen wie die von Joel Schumacher an. Wenigstens waren seine Filme so scheiße, dass man darüber lachen konnte. Für Leute, die sich einfach von einem Film bestrahlen lassen wollen, ohne zu denken, denen kann ich „Batman v Superman“ empfehlen.

Ein Video, das grandios zusammenfasst, was „Batman v Superman“ und Superheldenfilme heutzutage ausmacht, findet ihr im Anschluss. Ich kann es jedem wahren Film- und Comicfan nur wärmstens empfehlen. Ich persönlich bin froh, es gefunden zu haben, um zu wissen, dass ich mit meiner Meinung nicht alleine bin. Apropos: Das alles war meine Meinung und Meinungen können weder wahr noch falsch sein. Ich weiß, dass es Comicfans da draußen gibt, die jeden Film gut finden, nur weil er auf einem Comic beruht. Zu diesen gehöre ich nicht, aber ihr habt meine Bewunderung, wenn ihr diesem Film etwas Positives abgewinnen konntet. Allerdings muss ich euch enttäuschen, wenn ihr denkt, dass solche Filme für euch geschrieben werden. Wie das Video auch näher beleuchtet, werden solche Filme mit Millionen-Budgets für den Mainstream geschrieben und nicht für einige wenige Comic-Fans. Und das merkt man leider auch.

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7 Kommentare zu Warum „Batman v Superman: Dawn of Justice“ einfach scheiße ist

  1. Im Freundes- und Bekanntenkreis hat eigentlich niemand dem Film viel zugetraut und gerade Affleck galt als schlechte Wahl. Ich mag viele seiner Arbeiten und habe ihm auch einen guten Batman zugetraut. Aber in diesem Film… Ich glaube, man konnte keinen guten Batman abgeben. Bei manchen Szenen dachte ich, es gäbe eine Rückblende auf ein Ereignis von vor 10 Jahren, dann glaubte ich, ein gar schelmisch Bösewicht hätte sich ein Batmankostüm übergestreift, um der Fledermaus etwas anzuhängen. Benutzte er doch plötzlich Handfeuerwaffen. Als ich sah, dass wirklich Bruce unter der Maske steckte, war ich völlig ratlos, was ich mit diesem Film noch anfangen sollte.

    Ich für meinen Teil glaube, es hätte wenigstens einen halben Film gebraucht, um die Wandlung des dunklen Ritters zu erklären. Und dann noch einmal 1 1/2, um Batman v Superman wirklich gut rüber zu bringen.

    Die Darbietung von Jesse Eisenberg als Lex Luthor hat mich auch nicht überzeugen können. Für einen Moment hatte ich den Eindruck, er wolle Heath Ledger kopieren und hätte dann ganz schnell gemerkt, dass es gar nicht geht.

    Ich glaube, ich teile deine Einschätzung zu dem Streifen voll, obwohl ich sonst gern mal eine Comicverfilmung sehe. Bei Deadpool habe ich mich teilweise wirklich kringelig gelacht. Aber diesen Film möchte ich nicht noch einmal sehen und mir tun die Darsteller schon leid, denn aus diesem Drehbuch hätte wohl kaum jemand mehr raus holen können.

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    • Ich kann dir nur zustimmen. Wenn man Figuren wie Batman (oder auch Superman) nicht sympathisch rüberbringen kann, dann hat eine Comicverfilmung wirklich versagt. Deinen Vergleich von Jesse Eisenberg und Heath Ledger dachte ich mir auch. Anscheinend fällt den Machern hinsichtlich der Bösewichte auch nichts mehr Neues ein 😦
      Deadpool hab ich leider noch nicht gesehen, aber der soll ja aus den ganzen anderen, aktuellen Comicverfilmungen positiv rausstechen 🙂

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  2. Der Film bekam in unserer Tageszeitung einen von fünf Sternen. Das habe ich schon seit Jahren nicht mehr erlebt. Und nach deiner Rezi zieht mich nichts mehr dahin. Danke für die Warnung!

    Gefällt 2 Personen

  3. Ich kann dem nur teilweise zustimmen, obwohl ich vollkommen verstehe wo dein Punkt liegt.
    In meinen Augen wollte man zu viel auf einmal. Eine Einführung von Batman in einem externen Film hätte vermutlich vieles einfacher gemacht. Die Origin könnte ausgeklammert werden, seine Motive und die Wandlung zum verbitterten Rächer könnten sinnvoller dargelegt werden.

    Das größte Manko ist für mich, dass es zu überladen wirkt. Ansätze und gute Ideen sind ja mehr als genug vorhanden. Auch die Interpretation der Hauptfiguren (mit Ausnahme Lex Luthors) ist in meinen Augen gut umgesetzt worden. Zwar wäre ein „positiverer“ Superman ein eindeutigerer Gegenpart gewesen, aber diese Version entspricht ganz dem Zeitgeist, den ich so auch mag. Zack Snyders Neigung etwas viel Pathos einzusetzen und Gewalt zu ästhetisieren ist ebenfalls Geschmackssache. Das beziehe ich hierbei explizit auf 300 und Watchmen. Diese Linie führt er einfach als sein Markenzeichen fort. Das ist legitim und passend zum Genre.

    Der entscheidende Fehler war ein „Cinematic Universe“ ab dem ersten Film anzuvisieren. Marvel ist mir zwar zu poppig, hat sich aber Zeit genommen ein Fundament zu bauen, auf dem eine Auseinadersetzung oder Zusammenführung verschiedener Charaktere funktioniert hat.

    Im aktuellen Fall wurde einfach zu sehr vorgeprescht. Man sieht dem Ganzen deutlich an, dass es als Auftakt für etwas größeres dient und dabei die Eigenstädnigkeit bis zu einem gewissen Teil verliert. Hier könnten die fehlenden 30 Minuten noch einiges retten, da einige Lücken gestopft (Luthors Verhaftung, Supermans Suche nach seiner Mutter) und Schnitte weniger hektisch gesetzt werden könnten.

    In diesem Sinne wurde ich zwar gut unterhalten, würde aber über ein „ok“ nicht hinaus gehen. Als so schrecklich, wie er von einigen Kritikern empfunden wurde, habe ich ihn nicht gesehen. Neben den Fehlern, die der Streifen eindeutig aufweist, spielt in meinen Augen eine künstlich aufgebaute Erwartungshaltung an ein „Event“ und der extreme Cut zum Nolan-Universum eine Rolle. Ich musste mich auch erstmal an Meta-Wesen in einer Welt mit Bruce Wayne gewöhnen, obwohl es seit bestehen der Vorlagen nie anders war. Der Bruch ging diesbezüglich von Hollywood aus.

    Ich sehe den anderen Verfilmungen trotzdem positiv entgegen. Die sehr lauten Kritiken werden auch die Studios aufhorchen lassen. Klar ist der Film ein Erfolg, aber einen Verlust auf Basis der Erfahrung mit dem Erstling werden sie wohl kaum in Kauf nehmen. Vor allem ist Affleck ein talentierter Regisseur, der sich nicht sein eigenes Grab schaufeln wird, nachdem er weiß was an ihm und allem drum herum auszusetzen war.

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  4. Eine sehr interessante Analyse von dir. Das stimmt, dass sie sich für einen Film wohl zu viel vorgenommen haben. Manchmal glaube ich, dass Superhelden-Serien bessere Alternativen zu Filmen wären. Zum Beispiel bei der zweiten Staffel von Daredevil gibt es auch viele Charaktere, aber die Story wirkt nicht so überladen und die Ereignisse nicht nahtlos aneinander gereiht.
    Ich bleibe auf jeden Fall gespannt, ob sich durch Ben Afflecks Regiearbeit etwas ändern wird 🙂

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