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Film-Review „A Girl Walks Home Alone at Night“: Quentin Tarantino trifft Tomas Alfredson

„A Girl Walks Home Alone at Night“ ist ein moderner Schwarzweißfilm, ein Vampirfilm, eine Comicverfilmung und noch vieles mehr. Er kombiniert den ästhetischen Stil von Quentin Tarantino mit narrativen Independent-Elementen von Tomas Alfredson – die Schönheit, wie sich zwei Menschen verstehen können, ohne reden zu müssen. 

A Girl Walks Home Alone At Night

„A Girl Walks Home Alone at Night“ ist ein Film der amerikanischen Regisseurin Ana Lily Amirpour und basiert auf der gleichnamigen Graphic Novel. Die Story spielt in der iranischen Geisterstadt „Bad City“, in der ein einsamer Vampir die Straßen heimsucht. Auf den ersten Blick sieht sie wie eine normale junge Frau aus und wenn man ihr bei ihren bösen Machenschaften zusieht, merkt man schnell, dass sie es wahrscheinlich auch ist. Sie hat keinen Spaß daran, Menschen zu töten. Deswegen versucht sie, sich nur die Schlechten vorzunehmen. Das sieht man schnell an der Monotonie in ihrem Prozess des Tötens. Jede Nacht wandert sie durch die Straßen und scheint das seit einer sehr langen Zeit zu tun, Jahre – vielleicht sogar Jahrzehnte. Diese Dynamik ändert sich schließlich erst, als sie den jungen Mann Arash kennen lernt. Dieser erinnert sie an eine Zeit, als sie noch Hoffnung hatte, als sie noch dachte, dass ihre Zukunft anders aussehen könnte.

All diese Dinge werden in dem Film zwar nicht gesagt, aber gezeigt. Der Film lebt von seinen Bildern und der Atmosphäre. Die Regisseurin kombiniert den extensiven cinematographischen Stil von Quentin Tarantino mit dem Abstrakten der „Persepolis“-Comics von Marjane Satrapi. Es gibt diese bedrückende Leere und den Gestank des Todes in der Stadt von „Bad City“. Es ist ein Niemandsland, in dem die Menschen Farsi sprechen, aber in amerikanischen Oldtimern herumfahren. Man bekommt das Gefühl, dass die Menschen nicht dorthin gehen, um zu leben, sondern zu sterben. Aber vielleicht nicht jeder. Das Mädchen und Arash haben eine Verbindung durch ihre Einsamkeit, durch den Drang von dort wegzukommen – und durch ihre gemeinsame Liebe für Musik. Sie müssen nicht miteinander reden, um sich zu verstehen, sie müssen nur „sein“. Mit diesem narrativen Stil kommt man nicht umhin, sich an den Vampirfilm „Let the Right One In“ von Tomas Alfredson zu erinnern. Immerhin heißt eine andere Person zu lieben, diese so zu akzeptieren, wie sie ist. Mit allen Fehlern.

Mit all diesen Details zeigt der Film den kulturellen Hintergrund der Regisseurin. Ana Lily Amirpour lebt zwar in den USA, aber ihre Eltern kommen von dem Iran. Auch spielt der Film im Iran, obwohl er in Kalifornien gedreht wurde. Vielleicht kann der Streifen als Kritik an der iranischen Gesellschaft interpretiert werden. Denn das Vampirmädchen versteckt sich unter einem schwarzen Schleier, der mehr wie ein Cape aussieht, wenn sie durch die Straßen läuft (oder besser gesagt skateboardet). Als Frau wird sie unterschätzt, aber am Ende hat sie die Macht, über das Leben von Männern zu entscheiden. In gewisser Weise ist sie ein Nosferatu-Charakter – die Königin der Dunkelheit, ein Vampir und eine Superheldin in einem. Die Regisseurin selbst sagt, dass der Film kein feministisches Motiv hat, sondern eine Genre-Variation darstellen sollte. Ihrer Meinung nach sind Vampire Beobachter der Menschheit und Zeugen von technologischem Wandel. Sie sind einsam, aber romantisch, wie in Jim Jarmuschs Werk „Only Lovers Left Alive“.

Genre-Variation? Mission erreicht. „A Girl Walks Home Alone at Night“ ist ein Vampirfilm, ein romantischer Film, manchmal ein Western und ein Schwarzweißfilm. Filmkritiker sagen, dass Ana Lily Amirpour der nächste Quentin Tarantino sein könnte. Ich denke, sie ist besser.

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