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Zwei Jahre nach Snowden – Was habt Ihr verändert? Ich wurde Blogger

Der Blog Gestalterhuette.de hat unter dem Thema „Zwei Jahre nach Snowden – Was habt Ihr verändert?“ eine Blogparade gestartet und hier ist mein Beitrag dazu. Was sich für mich verändert hat? Ich habe aufgrund der Enthüllungen des US-Whistleblowers mein gesamtes Surfverhalten umgestellt und meine Berufung gefunden, Blogger zu werden. Dabei gebe ich anderen Personen Tipps, wie man der Internetüberwachung entkommen kann. 

Vom NSA-Überwachungsstaat – Du kannst dich nicht verstecken
Ganze zwei Jahre ist es jetzt schon her, dass der Whistleblower Edward Snowden seine Kenntnisse über die NSA-Überwachung öffentlich machte. Für mich fühlt es sich noch gar nicht so lange an, da ich immer noch jeden Tag dafür kämpfen muss, meine Mitmenschen davon zu überzeugen, wie ernst und gefährlich die Lage der NSA-Massenspionage ist. Denn die Empörung der Bevölkerung lässt nach wie vor auf sich warten, beziehungsweise wird der Skandal kaum noch wahrgenommen. In einer Gesellschaft, in der es jede Woche einen anderen nutzlosen “Shitstorm” gibt, habe ich mir schon in einem anderen Artikel die Frage gestellt: Wo bleibt der Aufschrei?

Man hört von seinen Mitmenschen lediglich Ausreden wie “Das war doch sowieso klar” oder “Wer nichts zu verbergen hat, muss sich auch keine Sorgen machen”, die wahrscheinlich jeder aus seinem Bekanntenkreis kennt. Das Zeitalter eines Überwachungsstaates wird edward_snowden_comiceingeleitet und keinen scheint es zu interessieren. Es gibt keinen Aufschrei, keiner demonstriert und fordert seine Grundrechte, das Recht auf Privatsphäre ein. Selbst AutoCorrect will mich bei Word und WordPress korrigieren, wenn ich das Wort “Massenüberwachung” schreibe. Massenüberwachung, was ist das? Oder interessiert es die Menschen vielleicht heimlich doch?

Fakt ist jedenfalls, dass Snowden nach den Enthüllungen sein Leben in den USA aufgeben musste, aber nicht nur für ihn – für jeden einzelnen von uns hat sich das Leben für immer verändert, auch wenn es viele Abwiegler nicht wahr haben wollen. Jeden Tag steigt ein Mitglied der Regierung durch das Fenster in unser Haus ein und hört unsere Kommunikation ab. Sehen können wir es mit unseren Augen nicht mehr, wie ich es vor Jahrezehnten in Überwachungsstaaten wie dem Dritten Reich war, aber dennoch findet diese Überwachung statt. Im heutigen Technologiezeitalter ist sie lediglich subtiler. Jetzt sind es nicht mehr Männer in Uniformen, sondern Mitglieder von Geheimdiensten, die an PCs sitzen, welche die Daten aufzeichnen. Wir fühlen diese Überwachung physisch nicht mehr, was sie umso gefährlicher macht, da sie unterschätzt wird. Sie zu unterschätzen hat wiederum die Folge, dass sie sich unbeobachtet weiter ausbreiten kann.

Einige zeitnahe Beispiele sind, dass Regierungsmitglieder des US-Senats vor vier Wochen bekannt gegeben haben, dass sie gute Verschlüsselung im Internet verbieten lassen wollen. Eine andere Maßnahme, die Personen in Deutschland direkter betrifft, ist sicher die geplante Einführung der Vorratsdatenspeicherung. Doch jetzt ist es noch nicht zu spät, sich zu wehren.

Wie wäre es mit einem Anti-NSA-Blog? 

“Das Volk sollte sich nicht vor seiner Regierung fürchten. Die Regierung sollte sich vor ihrem Volk fürchten.” – Autor Alan Moore in seinem Comic „V For Vendetta“

Auch vor der NSA-Überwachung war wahrscheinlich vielen Users schon bewusst, dass es nicht sinnvoll ist, seine Daten überall im Internet zu verteilen und zu diesen Usern gehöre auch ich. Ich benutze keine Echtnamen in Sozialen Medien; ich habe keine Google- oder GMX-Standardemailadresse; ich benutze keine unsicheren Cloud-Dienste wie Dropbox; und ich habe mir bis jetzt kein Smartphone zugelegt, sondern besitze noch ein Tastenhandy. Denn nicht nur Regierungen, sondern auch viele Unternehmen profitieren davon, Daten von Nutzern zu sammeln.

Aber als die Enthüllungen Snowdens bekannt wurden, habe ich mich trotzdem wie viele andere Menschen erst einmal ohnmächtig gefühlt. „Gegen die staatliche Überwachung kann man sowieso nichts machen, selbst wenn man es versucht“ und andere typische Ausreden erwischte ich mich, mir in meinem Kopf auszumalen. Ich merkte, dass sich dieses Denken unmittelbar auf mein Surfverhalten übertrug. Ich hatte mir dreimal überlegt, etwas auf Facebook zu posten oder einen Zeitungsartikel zu kommentieren. Obwohl ich immer schon vorsichtig im Netz unterwegs war, hatte sich für mich dennoch etwas geändert: Dieses unheimliche Gefühl, dass mir permanent jemand über die Schultern schaut, wenn ich nur die Tastatur berühre. Schließlich wurde ich fast paranoid. Ich war ohne VPN oder Tor gar nicht mehr im Netz unterwegs; unverschlüsselte E-Mails wollte ich gar nicht mehr lesen. Ich hatte schließlich keinen Spaß mehr am Internet – bis bei mir eines Tages der Geduldsfaden riss.

Mir wurde klar, dass ein Bürger in einem (vermeintlichen) Rechtsstaat keine Angst vor seiner Regierung haben sollte. Warum sollte ich mein Verhalten ändern, wenn ich nichts Falsches tue? Wenn wir anfangen, unsere Redefreiheit selbst einzuschränken, haben wir schon verloren und uns selbst zu Sklaven machen lassen, dachte ich mir. Deswegen beschloss ich, mich aus dieser Ohnmacht zu befreien, selbst aktiv zu werden und habe diesen Blog gestartet. Mein neues Motto war: „Jetzt erst recht, auch wenn ich mit meinen Worten bei neugierigen Regierung anecken könnte.“

Anfangs hatte ich auf meinem Blog ausschließlich Tipps gegeben, wie man anonym surfen und damit der Überwachung entgehen kann. Ich schreibe die Artikel sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch, um ein möglichst großes Publikum zu erreichen. Später wurde mein Blog größer und ich schrieb auch über andere Themen, die mich interessierten, wie Politik und Kultur. Dennoch liegen mir die Internet-bezogenen Artikel immer noch am meisten am Herzen, da ich von diesen auch den meisten Zuspruch erhalte.
Artikel wie Sichere und anonyme Email-Anbieter oder Anonym Surfen – Sechs VPN-Anbieter im Vergleich werden auf meinem Blog am häufigsten und so gut wie jeden Tag gelesen, obwohl ich viele von diesen Artikeln bereits vor über einem Jahr geschrieben habe.

Man sieht also, wie ich bereits zu Anfang dieses Artikels angedeutet habe, dass sich doch viele Menschen für diese Themen interessieren. Zahlreiche User suchen nach diesen Begriffen in Suchmaschinen und wollen sich auch gegen die Überwachung wehren und wissen vielleicht nur nicht, wie. Das war mein Ziel vom Bloggen – dass ich anderen Benutzern viele einfache Ratschläge geben kann, wie man mithelfen kann, das Internet zu anonymisieren und das, ohne große IT-Kenntnisse. Und dies werde ich auch weiterhin versuchen zu tun.

Das Blatt noch einmal wenden
Und dass Blogparaden zu Themen wie diesem gestartet werden, zeigt mir, dass ich nicht alleine bin. Und ihr seid es auch nicht – „Reset the Net“ und unterstützt Whistleblower, die jeden Tag ihr Leben aufs Spiel setzen, um unsere Welt transparenter und demokratischer zu machen. Ich persönlich würde mich schämen, in 50 Jahren in Geschichtsbüchern zu lesen, dass wir durch unsere Verschwiegenheit die Freiheit der zukünftigen Generationen gefährdet und schließlich weggenommen haben.

Wenn ihr nicht wisst, was ihr noch tun könnt, hier einige Tipps. Schreibt an die Abgeordneten in eurer Stadt oder des Bundestags und beschwert euch. Wenn ihr informationskompetent sein, zeigt euren Freunden, wie man E-Mails und den Internetverkehr verschlüsselt, bis sich politisch hinsichtlich des Datenschutzes etwas ändert. Aber noch wichtiger: Wacht auf. Wie ein bekanntes Sprichwort des Dalai Lama sagt: “Falls du glaubst, dass du zu klein bist, um etwas zu bewirken, dann versuche mal zu schlafen, wenn eine Mücke im Raum ist.”

Jeder kann seinen Teil beitragen und wenn es nur ein kleiner wie dieser ist.

 

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